… auf dem Sofa! Heute bin ich hygge.

Hygge mit Kerzen und Holzpferd

Ihr kennt es bestimmt schon, dieses verheißungsvolle, dänische Wort HYGGE. Ein echtes Lebensgefühlt, dass gerne mit Gemütlichkeit und Wohlbefinden übersetzt wird. Hygge kann alles sein: ein Nomen, Adjektiv, sogar ein Verb „Lass´uns zusammen hyggen“. Kakao am Kamin ist hygge, ein Kartenspiel mit Freunden ebenso und vor allem Kerzen sind hygge.

Meik Wiking, CEO des Kopenhagener Instituts für Glücksforschung (ja, das ist sein echter Beruf), hat sich auf die Suche gemacht, was diese dänische Hygge ausmacht und wieso sie so sehr zum Wohlbefinden beiträgt. Seine Erkenntnisse und wie man auch ganz hygge wird, verrät er in seinem Buch „HYGGE – ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht.“ (Lübbe Verlag, gebunden 20 Euro, Taschenbuch 10 Euro.)

Schon das Buch in die Hand zu nehmen, hat mich hygge gemacht. Es ist schwer, hat ein griffiges Format und ein so schönes Cover, dass ich es immer noch ganz verliebt ansehe: Tassen, Kerzen und Kaffeekannen in Blautönen sind da drauf, dazu goldener Kaffeedampf und Lichterschein. Skandinavisch gestylt, dänisch designt und trotzdem sehr hübsch – hygge eben.

Hygge Buch Cover Kerzen Lübbe Verlag Lebensgefühl Herbst Gemütlich

Über Teelichter, Lagerfeld und Vasen

Ich habe mir zum Lesen dann (ganz wie es sich gehört) Kerzen angezündet, Tee eigeschenkt und Schokolade bereit gelegt.  Meik Wiking beschreibt auf nette, leicht lesbare Art die Bedeutung von hygge für die Dänen, und was der Rest der Welt sich abschauen kann. Was mir gut gefallen hat: Die Texte gehen weit über das übliche Klisché von Kerzen, Kaffee und Wollsocken hinaus. Auch die Art, wie man sich in Gemeinschaft verhält, zeichnet hygge aus: Jeder ist gleichwertig, alle bekommen ihre Redezeit, keiner muss sich hervor tun. Politische Diskussionen werden ausgelassen, man entspannt sich zusammen. Wer sich gegenseitig zum Essen einlädt, macht daraus keinen Kochwettbewerb – nur auf die Gemeinschaft kommt es an.

Einfachheit ist sehr hygge, Schlichtes, Unaufgeregtes. In allen Lebensbereichen. Sehr geschmunzelt habe ich über Meiks Beschreibung des typisch-dänischen Kleidungsstils:

„Alle Leute tragen schwarz. Man stylt sich, grob gesagt, so, als wäre man zur Beerdigung von Karl Lagerfeld eingeladen: stylisch, aber monochrom. Im Sommer sind mehr Farben erlaubt, selbst so etwas verrückt Grelles wie Grau.“

Willkommen in meinem Hygge-Hafen

Wohnungs-Einrichtung ist für Dänen unheimlich wichtig. Das eigene Zuhause ist sozusagen die Hygge-Höhle, in die man sich einkuschelt. Die soll natürlich perfekt sein. Meik beschreibt in seinem Buch den nationalen Skandal von 2014: Die Firma Kähler brachte eine zugegeben hübsche Vase in limitierter Auflage heraus. Dieses 20 cm kleine Objekt mit Kupferstreifen lies Internetseiten zusammenbrechen, Dänen in langen Schlangen vor Läden anstehen und bescherte dem Königreich eine landesweite Hysterie. Eigentlich so gar nicht hygge, oder? Nun ja. Meiks Ansicht nach muss man bedenken, dass die Dänen eine Wochenarbeitszeit von 37 Stunden haben, fünf Wochen bezahlten Urlaub, ein hervorragendes staatliches Gesundheits- und Sozialsystem, kostenfrei an der Universität studieren können –

„da war die Tatsache, dass man diese Vase nicht bekam, vielleicht das Schlimmste,
was ihnen seit Jahren passiert war.“

Der November als Hygge-Höhepunkt des Jahres

Wirklich beliebt ist der vorletzte Monat des Jahres ja nicht: Der goldene Oktober samt Ferien und Feiertagen ist vorbei, die kuschelige Adventszeit hat noch nicht begonnen. Feiertage gibt es keine (jedenfalls nicht in Norddeutschland), im November gibt es lediglich den Volkstrauertag und den Totensonntag. Munter geht anders.

Da der November aber auch mein Geburtstags-Monat ist, gebe ich mir immer größte Mühe, ihm etwas Positives zuzuschreiben. Und jetzt kommt Hygge in´s Spiel: Kerzenschein bei 30°C? Heißer, dampfender Kakao mit Zimt und Sahne am Pool? Kuchen verkneifen, damit der Bikini sitzt? Alles nicht so richtig hygge. Ich liebe hygge, wenn es draußen kalt ist!

Pilze sammeln in Smaland Schweden Herbst Wald Tovfehult

sorgenfrei hyggelig unterwegs

Für mich wird hygge im Herbst so richtig zelebriert. Zu meinen Lieblingen zählen ganz klassisch die Kerzen. Wenn ich nach Hause komme, zünde ich mir immer gleich ein paar an. Für mich eine echte Garantie auf Gemütlichkeit. Auch, wenn ich mich mit meinem Laptop an unserem großen Esstisch zum arbeiten setze, habe ich ein paar Teelichter um mich herum. Minimaler Aufwand, lange, gemütliche Wirkung.

Heiße Getränke sind natürlich auch super-hygge: Kaffee, Tee, Kakao, Punsch … alles, was man mag. Schon die Hände um den warmen Porzellanbecher zu legen, wärmt auch ein bisschen das Herz. Und Gewürze machen Getränke noch hyggeliger. Mein Favorit: Aladins Kaffeegewürz. Ich schüttel immer eine kräftige Prise von dem Zimt-Kardamom-Vanille-Ingwer-Pulver in meinen Kaffee, auf Grießbrei, ins Müsli, auf Äpfel … lecker! Und den Kaffee macht es sogar bekömmlicher, da vertrage ich eher zwei Tassen als eine (*keine Werbung, nur persönliche Empfehlung, #meinKaffeegewürzhabeichselbstbezahlt).

Kleidung kann natürlich auch sehr hyggelig sein – meist die, mit der man sich nie nach draußen trauen würde. Mein liebstes Hygge-Teil ist wohl mein grauer Onesie, ihr wisst schon, diese Strampelanzüge für Erwachsene (letztes Jahr hießen die noch Jumpsuits). Überhaupt finde ich alle Kleidung hygge, die man beim Tragen kaum spürt. Das muss ja nicht immer ausgeleiert und unansehnlich sein, Hyggekleidung geht durchaus auch salonfähig: ein wohlig-weicher Kashmirpullover zum Beispiel oder ein Kleid, das gut sitzt, aber nie einengt. Ein großer, aber ganz leichter Schal. Und natürlich eine Mütze, die nicht kratzt, aber die Ohren vor Wind schützt.

Na klar ist ein gemütliches Sofa mit weichen Kissen und Wolldecke unbedingt hygge. Aber auch wenn hygge immer ein bisschen nach Faulheit klingt, ist es das nicht unbedingt. Denn nichts macht eine Kuschelecke, Kekse und einen Becher Glühwein hyggeliger als ein langer Spaziergang, von dem man gerade zurück gekehrt ist.

Hygge betrifft mit all seiner Wärme, Kakao und Kuchen aber nicht nur den Körper. Eine ruhige, hyggelige Stimmung wirkt auch auf den Geist, streichelt die Seele. Ich versuche jetzt, mehr Stille zu genießen. Radio, Netflix und Handy auszulassen. Mein Vogelhäuschen zu beobachten. Mehr an das zu denken, was mir gut tut, als mir Sorgen zu machen. Langsamkeit zulassen. Und Menschlichkeit. An andere zu denken, ist hygge. Ein Anruf ist hyggeliger als eine Whatsapp. Sich zu treffen, zuzuhören, anderen positive Geschichten zu erzählen, ist hygge. Komplimente finde ich sehr hygge, genau wie ein Lächeln. Meckern und kritisieren – unhygge. Mit der ganzen Familie ein Spiel zu spielen ist sehr hygge. Und mal eben zur Nachbarin zu gehen. Bis gleich …

Vielen Dank an die Presseabteilung des Lübbe-Verlages, die mir das Buch „HYGGE – ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“ als Ansichtsexemplar zugesendet hat.

Was macht für euch hygge aus? Was habe ich vergessen? Ich bin sehr gespannt, lasst mir gerne einen Kommentar da.

3 Kommentar
  1. Hallo Nadine, ein großartiger Bericht zu der Blogparade – vielen Dank. Übrigens habe ich das Buch letztens in der Hand gehabt und fand es echt toll. Vielleicht werde ich es mir doch nochmal gönnen! Liebe Grüße Caren

  2. […] Nadine von sorgenfrei-unterwegs […]

  3. […] ihr vielleicht hier gelesen habt, bin ich großer Fan von Hygge, dem dänischen Glück der Gemütlichkeit. Und unsere […]

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